Rund um den Glockenturm 10/11 2026

9 Irrtum 3: Pflegebedürftigkeit betrifft nur sehr alte Menschen Viele Familien denken erst an Pflege, wenn ein Angehöriger neunzig wird. Dabei kann Pflegebedürftig- keit in jedem Lebensalter entstehen. Ein Schlaganfall mit fünfzig. Ein Unfall mit dreißig. Eine fortschreitende Erkrankung mit sechzig. Das Durchschnittsalter bei Pflegebeginn liegt deutlich niedriger, als viele annehmen. Diese Fehleinschätzung hat Folgen. Wer glaubt, das Thema sei erst in ferner Zukunft relevant, informiert sich zu spät über Vorsorgevollmachten, Pflegegrade oder Unterstützungsangebote. Und im Ernstfall bleibt keine Zeit mehr, sich in Ruhe einzulesen und eine gute Entscheidung zu treffen. Unser Rat: Beschäftigen Sie sich mit dem Thema, bevor Sie es müssen. Eine Vorsorgevollmacht kostet eine Stunde Zeit, die sehr gut investiert ist. Irrtum 4: Die Pflegeversicherung übernimmt die kompletten Kosten Diese Annahme sorgt für den größten Schrecken, wenn die erste Rechnung kommt. Die Pflegeversicherung ist eine Teilkasko, keine Vollkasko. Sie deckt einen Anteil der Kosten, abhängig vom Pflegegrad. Der Rest, der sogenannte Eigenanteil, bleibt bei den Betroffenen oder ihren Familien. Bei stationärer Pflege kommen zusätzlich Unterkunft und Verpflegung dazu, die grundsätzlich privat zu tragen sind. Reicht das eigene Einkommen nicht aus, springt unter bestimmten Voraussetzungen das Sozialamt ein. Wer sich frühzeitig beraten lässt, etwa bei einer Pflegeberatung oder direkt bei uns im Kundenzentrum, vermeidet böse Überraschungen. Die Kosten ver- schwinden dadurch nicht. Aber sie werden planbar. Irrtum 5: Die Angehörigen müssen die Pflege allein stemmen Der stille Irrtum, der am meisten Schaden anrichtet. Viele Söhne und Töchter übernehmen die Pflege ihrer Eltern, weil sie glauben, es gehöre sich so. Sie reduzieren ihre Arbeitszeit, verzichten auf Urlaub, schlafen schlecht. Nach einigen Jahren sind sie selbst erschöpft, manche gesundheitlich am Ende. Pflege ist keine Aufgabe, die eine Person allein tragen sollte. Es gibt Entlastungsangebote wie Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege oder Tagespflege, die genau für diese Situation gedacht sind. Sie geben pflegenden Angehörigen Zeit zum Durchatmen, ohne dass die Versorgung leidet. Wer sich Unterstützung holt, versagt nicht. Wer sich zu spät Unterstützung holt, riskiert, selbst zum Pflegefall zu werden. Was bleibt? Fünf Irrtümer, ein gemeinsamer Kern: Gute Entscheidungen in der Pflege brauchen gute Informationen, und zwar rechtzeitig. Sie müssen diese Entscheidungen nicht allein treffen. Die Kolleginnen und Kollegen in unserem Kundenzentrum beraten Sie, bevor die Situation zur Krise wird. Sprechen Sie uns an, wenn Fragen aufkommen. Früh ist immer der bessere Zeitpunkt als zu spät. n Sylvia Benke

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