4 Rund um den Glockenturm · Oktober / November 2026 Moment mal! Weggefährten Ein Stück des Weges »Los geht’s.« Wir sind am Edersee in Urlaub. Und für heute Abend haben wir uns ein Konzert herausgesucht. Der Dresdner Universitätschor ist auf Sommerreise genau wie wir. Mit Fahrrädern erkunden sie den Nationalpark Edersee und an verschiedenen Orten geben sie in den Kirchen ein Konzert. So auch heute in der Nikolauskirche in Waldeck-Sachsenhausen. Da fahren wir hin. Natürlich wie es immer so ist – es könnte ja einen Stau geben oder andere Schwierigkeiten auf dem Weg – sind wir sehr früh da. So können wir uns das Städtchen anschauen und wir haben die freie Auswahl der Plätze in der Kirche. Von unserer Bankreihe haben wir einen schönen Blick auf den Innenraum. Der Chor ist angebaut und gotisch, das Kirchenschiff hat romanische Anklänge. So schaue ich und fühle mich wohl. So viele Menschen haben hier ihr Leben und ihren Glauben geteilt. Das Konzert heute hat die Überschrift: »Weggefährten«. Während ich so sitze, denke ich über dieses Wort nach. Weggefährten – zusammen ein Stück des Weges gehen. Vertraut sein und doch wissen, es ist nur ein Stück des Weges. Gerade denke ich viel über Abschied und gemeinsame Wege nach – kurz vor der Pensionierung. Meine Gedanken gehen zurück in meine Zeit als Pastorin – wie war das mit meinen Weggefährten an den verschiedenen Orten? Gesichter und Geschichten fallen mir ein. Die Entscheidungen und Wege, die mich nach Hamburg führten. So vieles geht mir hier in der Kirche durch den Kopf – Erinnerungen und Begegnungen. Da gehen die Türen auf und der Chor zieht ein mit einem Lied zum Lobe Gottes und ich bin gerührt. Schön, in der Kirche zu sein und zu spüren: Gott umfängt unser Leben und Wirken. Der Chor singt schön – auch Weggefährten für diesen Augenblick. Die Stimmen drücken aus, woran wir glauben. So loben und preisen sie, aber auch der Ernst des Glaubens hat Platz und der Dank. So danke ich dort in der Kirche für die vielen Begegnungen, die mir geschenkt wurden. Viele Erlebnisse und Gespräche mit Konfirmanden, mit Taufeltern, mit Kolleginnen und Kollegen, bei Hochzeiten, bei Beerdigungen, in der Seelsorge. Gemeinsam unterwegs als Weggefährten, die ihr Herz und ihren Glauben teilen. Danke für diese Zeit. Dann wird es weltlich und des »Jägersruh« tönt durch die Kirche. Und so kommt eine Melodie vom Sommergottesdienst im Hospital zum Heiligen Geist in meinen Sinn und ich summe ganz leise: Möge die Straße uns zusammenführen und der Wind in deinem Rücken sein; sanft falle Regen auf deine Felder und warm auf dein Gesicht der Sonnenschein. Und bis wir uns wiedersehen, halte Gott dich fest in seiner Hand. n Katharina Born
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