Rund um den Glockenturm 10/11 2026

13 HzHG: Was hast Du in der Zeit als Krankenschwester für Dein Leben lernen dürfen? Janine: Dieser Beruf hat mich menschlich sehr weitergebracht. Ich habe so viele Gespräche geführt, unterschiedlichste Charaktere kennengelernt und unzählige emotionale Momente miterleben dürfen. All dies hat mir später auch in meinem Beruf als Schauspielerin geholfen. Denn nur, wenn man wirklich offen für den Menschen an sich ist, kann man auch unterschiedliche Rollen spielen und sich in verschiedene Personen und deren Gefühle hineinversetzen. HzHG: Bezüglich Deines Alters warst Du immer sehr gelassen. Wieso hat Dich das Überschreiten der 50 so »irritiert«? Janine: Ja, die 50 hat mir Probleme gemacht. Weder mit 30 noch mit 40 hatte ich dieses Gefühl, aber die 5 davor hat mich in ein kleines Loch fallen lassen. Nicht zuletzt wegen der vielen Geschichten von Kolleginnen, die mir erzählten, dass es ab 50 etwas schwieriger wird. Aber es ist eben auch genau so. Die Rollenangebote in diesem Alter werden rar. Abgesehen davon, passiert mit dem weiblichen Körper auch so einiges, weshalb es mir schwerfiel, an meinem »Jubiläum« Gefallen zu finden. Das Gerede von »50 ist das neue 30« kann ich so gar nicht bestätigen. ☺ HzHG: Sehr oft bringst Du Menschen zum Lachen. Womit bringt man Dich sofort zum Lachen? Janine: Mit Situationskomik! Es sind Alltagssituationen z. B. mit meinem Hund oder meinen Kindern, die mich häufig zum Lachen bringen. Meine Empfänglichkeit für diese Art »Witz« ist ziemlich hoch. ☺ HzHG: Wie stehst Du dazu, dass sehr viele Ausdrücke, die früher als sagbar bzw. lustig galten, heute tabu sind? Janine: Das finde ich sehr gut. Teilweise, finde ich es ein bisschen viel. Häufig zerlegen wir alles zu extrem. Das hemmt uns total und schürt auch Ärgernis. Ich finde, wir sollten uns deshalb alle mal wieder etwas lockermachen im Sinne unserer Gemeinschaft und des Miteinanders. Aber grundsätzlich dürfen wir mit unserer Sprache niemanden verletzen. Das hat oberste Priorität! Und dann sollten wir eben auch bereit sein, unsere Sprache dementsprechend anzupassen und nicht sagen »das haben wir doch aber immer schon so gesagt«. HzHG: Seit Januar bist Du Schirmherrin des Kölner Kreidekreis e. V.‒ Worum geht es dabei? Janine: Der Verein bietet Heranwachsenden ohne stabile familiäre Strukturen die Möglichkeit, sich Menschen anvertrauen zu können. Eine Art Ersatzfamilie. Ich finde, dass wir gerade viel zu wenig auf unsere Kinder schauen. Wir fokussieren uns auf ganz viele Dinge, weil die Welt so laut und so unruhig ist. Aber die Zukunft sind die jungen Menschen. Und ich habe das Gefühl, dass wir die gerade komplett vernachlässigen. Als prominente Frau möchte ich dafür gern meine Stimme erheben. HzHG: Was überrascht Menschen am meisten, wenn sie Dich persönlich kennenlernen dürfen? Janine: Viele Leute denken, dass ich immer laut und überdreht bin, weil sie mich so aus Shows kennen. Wenn sie mich dann wirklich kennenlernen, merken sie, dass ich eigentlich eine »coole Socke« bin, die sehr viele leise und tiefsinnige Momente hat und sich auch sehr gut zurücknehmen kann. HzHG: Wie bekommst Du es hin, auf Dauer Deinen einzigartigen Humor nicht zu verlieren? Janine: Ich versuche stets das Positive in den Dingen zu sehen. Ich glaube nach wie vor an das Gute im Menschen. Und ich denke, dass das Gute wieder lauter werden muss, denn in letzter Konsequenz gibt es mehr gute als schlechte Menschen auf dieser Welt. Ich bin keine Schwarzmalerin. Es wird alles gut und das sage ich mir jeden Tag. Mit diesen tollen Schlussworten müssen wir unser kleines Interview leider schon abschließen. Es war uns eine große Freude mit Dir. Wir danken herzlichst für Deine Zeit. Und auch wir können das mit der »coolen Socke« nur bestätigen. Wir wünschen Dir alles erdenklich Gute und freuen uns noch ganz viel von Dir zu sehen. Herzliche Grüße aus dem Hospital zum Heiligen Geist. n Ronny Behrendt

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