9 Haus- und Wohnbeirat Was machen Beiräte eigentlich den ganzen Tag? Wer im Haus wohnt, kennt sie. Wer neu einzieht, lernt sie kennen. Aber was Haus- und Wohnbeiräte wirklich tun, bleibt für viele im Verborgenen. Doch das darf sich gern ändern. Der erste Kontakt beginnt schon kurz nach dem Einzug. Beiräte heißen neue Mitbewohnerinnen und Mitbewohner willkommen, bieten ihre Hilfe an und geben das Gefühl: Du bist nicht allein hier. Das klingt nach einer Kleinigkeit. Es ist keine. Wer neu in ein Haus kommt, hat oft hundert Fragen. Wo gibt es gute Ärzte in der Nähe? Was tun, wenn die Heizung kalt bleibt? Wie funktioniert das hier mit der Verwaltung? Beiräte geben Antworten. Sie nennen Adressen. Sie helfen wo sie können, erklären Briefe von der Verwaltung. Dann gibt es die alltäglichen Dinge: Der Flur wurde nicht geputzt. Das Fenster im Treppenhaus ist verschmutzt. Die Waschküche riecht nach gestern. Der Schnee müsse geräumt werden für einen Durchgang für die Rollatoren. Das Telefon klingelt. Wieder. Das ist der Teil, den kaum jemand sieht: Beiräte fangen täglich kleine und große Beschwerden auf, bevor sie zu echten Konflikten werden. Sie sprechen mit der Verwaltung, vermitteln, klären. Vieles löst sich, ohne dass jemand laut werden muss. Und dann sind da die Geburtstage. Eine Karte. Ein paar persönliche Worte. Das klingt nach nichts Besonderem, wird aber von fast allen sehr geschätzt. Gerade von Menschen, die wenig Besuch bekommen. Beiräte vergessen diese Daten nicht, denn das gehört zur Arbeit. Dazu kommen Mitbewohnerversammlungen, bei denen Neues besprochen und Kaffee getrunken wird, ein Oktoberfest oder ein Glühweinabend. Diese Abende mögen nach Programm klingen, aber sie sind etwas Anderes: Sie halten das Haus zusammen. In den Pflegehäusern sieht die Aufgabe etwas anders aus: Dort sind Wohnbeiräte vor allem Vermittler zwischen Bewohnern, Hausleitung und Verwaltung. Sie führen Gespräche, fragen nach dem Stand der Dinge, geben Rückmeldungen weiter. Wenn die Wäsche zu lange wegbleibt oder vertauscht zurückkommt, sind sie es, die das ansprechen. Was bleibt: Beiräte sind keine Verwalter. Sie haben keine Macht und kein Budget. Sie sind Menschen, die hier ein Ehrenamt ausüben, Menschen mit eigenem Privatleben und auch dem Wunsch nach etwas Rücksichtnahme. Was sie haben, ist Zeit, Aufmerksamkeit und die Bereitschaft, sich zu kümmern. Das ist mehr, als es auf den ersten Blick scheint. n Uwe Brockmöller, Vorsitzender Haus- und Wohnbeirat
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