Rund um den Glockenturm 02/03 2026

4 Rund um den Glockenturm · Februar / März 2026 Moment mal! Vom Lernen und vom Offenbleiben Alpha und Omega und was liegt dazwischen? Liebe Leserinnen und Leser, das Kreuzworträtsel lag vor mir, es fehlten nur noch wenige Lösungsaufgaben. »ABCDarier«, danach wurde gefragt. Was sollte das wohl sein, dachte ich? Und grübelte. Haben Sie eine Idee? Es ist eine alte Wendung, ein altes Wort für Schulanfänger. Ja, dachte ich, die Lebensschule, die hört nie auf. Wir kommen ein Leben lang aus dem Lernen nicht heraus und auch nicht aus dem Staunen und das ist gut so! Unser Jahr 2026 steckt auch noch in den Kinderschuhen, vieles liegt noch offen vor uns und will in Herz und Hand genommen werden. In der Jahreslosung heißt es »Siehe, ich mache alles neu!« Es ist ein Wort aus der Offenbarung, dass uns mitnehmen will in das Neue, das werden will und welches untrennbar mit Gottes Hoffnung für uns und die Schöpfung verbunden ist. Sind Sie noch neugierig? Kinder sind voller Neugier, wissbegierig, sind erwartungsvoll auf das Neue. Und wie steht es mit Ihnen? »Bloß keine Veränderung – nix Neues, wird eh oft nur schlechter«, höre ich des Öfteren. Und doch, »Lebenslanges Lernen« ist angesagt und in aller Munde. Mit jeder Lebensphase gibt es neue Lernaufgaben und Fragestellungen und es gilt, sich neu aufzustellen. Jung und Alt – beide lernen voneinander und miteinander, davon erzählt auch eine biblische Geschichte. Der 12jährige Jesus im Tempel hat es vorgemacht, im Gespräch und in Diskussion mit den Schriftgelehrten gibt er sich selbstbewusst und fragt nach. Er will nicht das Überkommene unhinterfragt stehen lassen, sondern sucht das Gespräch und die Auseinandersetzung. Die Geschichte steht im Lukasevangelium Kap.2, Vers 41ff. zum Nachlesen. Selbstbewusst und nachfragend ist die Jugend. Miteinander und voneinander lernen: Da bringt einem vielleicht die Enkelin geduldig das Chatten bei und installiert das WhatsApp auf das Handy, damit wir auf dem Laufenden bleiben und gut miteinander im Kontakt. Da kramen wir das alte Hausrezept der Kartoffelpuffer raus und bringen den Jungen das Kochen bei und lernen vielleicht im Alter, dass Sushi uns auch gut schmeckt. Den Kids bringt man das Schleifenbinden der Schuhe bei und lernt später das Zulassen können, dass diese Aufgaben andere für einen tun, weil wir nicht mehr so beweglich sind. Lernen hat mit Bewegung und Entwicklung zu tun. Neugierig und Lernfähig bleiben auch im Alter, darum geht es. Und das Staunen nicht zu vergessen! Der Kopf ist rund, damit das Denken seine Richtung verändern kann, sagte schon Bertold Brecht. Lernen bedeutet, offen zu bleiben, sich auseinandersetzen mit sich und anderen – im Dialog bleiben. Im Februar laden wir in der Heilig-Geist-Kapelle zu einem kleinen Gesprächsformat mit Heidemarie Langer ein. Jung und Alt im Gespräch: Was können wir voneinander lernen? Auch im Glauben hört das Lernen nicht auf. Immer wieder neu zu fragen und in eine Suchbewegung zu gehen. Martin Luther drückt es so aus: Es ist ein Frommwerden und nicht ein Frommsein. Es ist ein Werden! In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen und uns allen viel frohe Neugier und immer wieder Grund zum Staunen! n Pastorin Petra Wilhelm-Kirst

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