Wissen & Inspiration 19 Die Wurzeln des Aberglaubens Die Angst vor Freitag, dem 13. ist jünger als man vielleicht denkt. Der Begriff »Paraskavedekatriaphobie« beschreibt diese spezifische Phobie. Er setzt sich aus griechischen Wörtern zusammen: Paraskevi (Freitag), dekatreis (dreizehn) und phobos (Angst). Die Zahl 13 galt schon lange als Unglückszahl. Im Christentum spielte das Letzte Abendmahl eine Rolle. Jesus saß mit zwölf Jüngern am Tisch – insgesamt dreizehn Personen. Der dreizehnte Gast war Judas, der Verräter. Am nächsten Tag, einem Freitag, wurde Jesus gekreuzigt. In der nordischen Mythologie gibt es eine ähnliche Geschichte. Bei einem Bankett in Walhalla erschien Loki als dreizehnter ungebetener Gast. Er brachte Chaos und Tod. Der Freitag selbst galt ebenfalls als Unglückstag. Viele Hinrichtungen fanden freitags statt. Seeleute weigerten sich, freitags in See zu stechen. Doch die Kombination aus beiden – Freitag und die 13 – entstand erst später. Der britische Schriftsteller Thomas Lawson schrieb 1907 den Roman »Friday, the Thirteenth«. Die Geschichte handelt von einem Börsenmakler, der den Markt an einem Freitag, dem 13. abstürzen lässt. Was macht 2026 so besonders? Das Jahr 2026 hat drei Freitage, die auf einen 13. fallen. Das passiert nicht oft. Der erste fällt auf den 13. Februar. Der zweite auf den 13. März. Der dritte auf den 13. November. Warum gleich drei Mal? Es liegt am Kalender. Das Jahr 2026 beginnt an einem Donnerstag. Das bedeutet: Der 13. Januar fällt auf einen Dienstag. Zählt man die Tage weiter, landet der 13. Februar auf einem Freitag. Da der Februar nur 28 Tage hat (2026 ist kein Schaltjahr), beginnt der März ebenfalls an einem Sonntag. Damit fällt auch der 13. März auf einen Freitag. Der dritte Freitag, der 13. im November ergibt sich aus der gleichen mathematischen Logik. Drei Freitage, die auf einen 13. fallen – das kommt im Durchschnitt alle elf Jahre vor. Das letzte Mal war es 2015 der Fall. Nach 2026 müssen wir bis 2037 warten. Wie stark wirkt der Aberglaube heute? Die Angst vor diesem Tag ist real messbar. Studien zeigen: Viele Menschen ändern ihr Verhalten am Freitag, dem 13. Weniger Menschen fliegen an diesem Tag. Fluggesellschaften verzeichnen einen Rückgang der Buchungen. Manche Airlines verzichten sogar auf die Reihe 13 in ihren Flugzeugen. Auch an der Börse lässt sich ein Effekt beobachten. Das Handelsvolumen sinkt leicht. Anleger halten sich zurück. In manchen Krankenhäusern werden weniger Operationen geplant. Nicht weil die Ärzte abergläubisch wären. Sondern weil Patienten Termine verschieben wollen. Doch die Statistik gibt Entwarnung. Es passieren nicht mehr Unfälle als an anderen Tagen. Die Versicherungen haben das überprüft. Manche Studien zeigen sogar das Gegenteil: Weil Menschen vorsichtiger sind, passiert eher weniger. Der einzige echte Schaden entsteht durch die Angst selbst. Experten schätzen: Allein in den USA gehen durch den Aberglauben rund 800 Millionen Dollar verloren. Menschen gehen nicht einkaufen. Sie reisen nicht. Sie verschieben Geschäfte. Objektiv betrachtet unterscheidet sich Freitag, der 13. nicht von anderen Tagen. Die Sonne geht auf. Sie geht unter. Das Leben läuft weiter. Aber Aberglauben funktioniert nun einmal nicht rational. Er sitzt tiefer. Er ist Teil unserer Kultur. Teil unserer Geschichten. Vielleicht brauchen wir solche Tage. Sie geben uns einen Grund, innezuhalten. Vorsichtiger zu sein. Bewusster durch die Welt zu gehen. Oder wir nutzen sie als Gelegenheit, über unsere irrationalen Ängste zu lachen. n Enno Olbrich Freitag, der 13. hat einen schlechten Ruf. Viele Menschen gehen an diesem Tag vorsichtiger durch die Welt. Manche meiden wichtige Entscheidungen. Andere bleiben am liebsten im Bett. Aber woher kommt dieser Aberglaube? Und warum spielt das Jahr 2026 dabei eine besondere Rolle? Warum 2026 ein besonderes Jahr wird Freitag, der 13.
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